„Was passiert eigentlich in einer Mediation? Und wie komme ich da wieder raus – am besten mit einer Lösung?"
Mediation ist kein Zufallsprodukt, sondern folgt einem bewährten, strukturierten Prozess:
Phase 1: Auftragsklärung – Das Fundament legen
„Können wir das schaffen? Und ist Mediation der richtige Weg?"
Was passiert:
- Kennenlernen:
In dieser Phase lernen die beteiligten Parteien den Mediator kennen.
- Konflikt skizzieren: Alle Beteiligten geben eine kurze Darstellung ihrer Sicht
- Eignung prüfen: Der Mediator klärt, ob Mediation für euren Konflikt geeignet ist
- Entscheidung treffen: Gemeinsam wird entschieden, ob das Verfahren sowie die Wahl des Mediators fortgesetzt werden soll
- Spielregeln festlegen: Ein Mediationsvertrag wird aufgesetzt
Phase 2: Themensammlung – Alle Perspektiven auf den Tisch
„Worüber müssen wir eigentlich sprechen? Was ist wirklich wichtig?"
Was passiert:
- Anliegen äußern: Jede Partei kann ihre Themen und Sorgen vortragen
- Alles sammeln: Der Mediator notiert alle Punkte – ohne zu bewerten
- Struktur schaffen: Gemeinsam wird entschieden, in welcher Reihenfolge die Themen bearbeitet werden
- Übersicht gewinnen: Oft stellt sich heraus: Es geht um mehr (oder weniger), als alle dachten
Phase 3: Interessenklärung – Hinter die Kulissen schauen
„Was brauchst der Gegenüber wirklich? Und was brauche ich?"
Was passiert:
- Tiefer graben: Für jedes Thema wird erkundet: Was steckt dahinter?
- Bedürfnisse entdecken: Was brauchst der Einzelne, um sich sicher/respektiert/fair behandelt zu fühlen?
- Gemeinsamkeiten finden: Oft gibt es mehr gemeinsame Interessen als gedacht
- Verständnis schaffen: "Ach so, deshalb ist dir das so wichtig!"
Für jedes Thema werden die dahinterstehenden Interessen, Bedürfnisse und Anliegen der Medianden herausgearbeitet. Dies kann im Gespräch oder unter Verwendung verschiedener Methoden erfolgen. Der Mediator leitet den Prozess, jedoch stets nur mit Zustimmung der Medianden.
Phase 4: Lösungsentwicklung – Kreativ werden - Entwicklung und Bewertung tragfähiger Optionen.
„Was wäre, wenn...? Wie könnte das funktionieren?"
Was passiert:
- Brainstorming: Alle Ideen sind erlaubt – auch die zunächst als „nicht denkbar“ bewerteten
- Eigenständig entwickeln: Die Parteien entwickeln die Lösungen selbst, nicht der Mediator
- Optionen bewerten: Was ist realistisch? Was könnte wirklich funktionieren?
- Verhandeln: Der Mediator sorgt für Fairness und Struktur bei den Details
- Win-Win finden: Die beste Lösung (oftmals auch solche, an die vorher niemand gedacht hatte) ist die, mit der alle leben können
Phase 5: Abschluss – Verbindliche Vereinbarung zur Umsetzung
„Wie stellen wir sicher, dass das auch wirklich funktioniert?"
Was passiert:
- Konkret werden: Vage Ideen werden zu klaren Vereinbarungen
- Details klären: Wer macht was? Bis wann? Wie überprüfen wir das?
- Schriftlich festhalten: Die Vereinbarung wird dokumentiert
- Verbindlichkeit schaffen: Alle unterschreiben, was sie vereinbart haben
- Zukunft planen: Was passiert, wenn Probleme auftauchen?
Was macht den Mediator während des ganzen Prozesses?
Der Mediator ist wie ein Bergführer:
- Kennt den Weg:
Führt durch den Prozess, ohne das Ziel vorzugeben
- Schafft Sicherheit: Sorgt für faire Bedingungen und respektvollen Umgang
- Übersetzt:
Hilft dabei, Missverständnisse zu klären
- Bleibt neutral: Ergreift keine Partei, sondern unterstützt alle gleichermaßen
- Strukturiert:
Hält den roten Faden, auch wenn es emotional wird